TITANIC in London
von Susanne Störmer, © 1997
Es gibt Fragen, die stellt man, ohne sich über die Konsequenzen bewusst zu sein. Diese Fragen sehen so harmlos aus … Und ganz harmlos begann auch die Entwicklung, die mich letztendlich nach London zur „Royal Film Performance“ führte.
Mein Entschluss stand im Oktober: Ich wollte mir den Titanic-Film in England ansehen, koste es, was es wolle. Ich bat Brian Ticehurst von der British Titanic Society (BTS) um Infos, ob und wann die BTS einen gemeinsamen Filmbesuch plante. Brians Antwort kam schnell und enthielt eine Überraschung: Wenn ich bereit war, viel Geld auszugeben, konnte ich mir den Film am 18. November 1997 in London ansehen – im Beisein des Prince of Wales (Prinz Charles) bei der Royal Film Performance.
Erst entschied ich mich für „Nein“, dann jedoch siegte meine „Reiselust“ und ich rang mich dazu durch, diese Aktion für mich zu starten. Schließlich hatte Brian recht: So eine Chance kommt so schnell nicht wieder.
Viele Dinge waren abzuklären, doch in sehr kurzer Zeit war ich klar – dienstlich frei, Finanzierung abgesichert und Ticket geordert. Ein Problem gab es jedoch: Bei der Ticket-Bestellung war ich ausdrücklich darauf hingewiesen worden, dass es eine Veranstaltung mit dem „Dresscode Black Tie“ war. Was das bedeutete, wurde mir auch erklärt: Keine Jeans, kein Sweat-Shirt – eben alles etwas Feiner …
Dann kam – nach ganz viel Spaß und vielen guten Sprüchen im Kollegenkreis – der 18. November 1997 heran, und mittags ging es mit dem Flieger von Fuhlsbüttel nach Heathrow. Mein Flughafenchauffeur gab mir noch mit auf den Weg: „Du bist ganz schön snobistisch geworden – mal eben für einen Film nach London fliegen!“ Nun, es war ja nicht irgendein Film, und es war auch nicht irgendeine Veranstaltung – es ging um die Royal Film Performance und TITANIC.
Den Nachmittag in London verbrachte ich beim Friseur und bei der Kosmetikerin, und wer mich kennt, weiß, was das bedeutet!
Dann wurde es wirklich ernst – im Taxi ging es zum Leicester Square. Vor dem Kino Absperrungen mit Sicherheitskräften – und um die Absperrungen herum „Zaungäste“, d. h. Reporter, Fotografen und „Fußvolk“. Am Kino hing ganz groß ein Filmplakat von TITANIC, auf dem Laufband wurde darauf hingewiesen, dass TITANIC, ein James-Cameron-Film mit Kate Winslet und Leonardo di Caprio, heute um 7:15 abends bei der „Royal Film Performance“ in der geschätzten Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit, dem Prince of Wales, gezeigt wird.
Eine letzte Zigarette vor dem Film, schließlich herrschte im Kino Rauchverbot, und dann ging ich hinein. Vor mir ging ein älterer Herr, der von Reportern aufgefordert wurde, doch zu ihnen zu kommen – irgendwann entschied er sich für einen „Pressemenschen“, und ich fragte einen Angestellten vom Kino, wer dieser Herr denn nun war. Nun, es war kein Geringerer als der Chef vom britischen Fernsehen. Schon das erschlug mich vollkommen, doch dann sah ich auf den Treppen im Kino einen Typen stehen, der von Reportern interviewt und von Fotografen fotografiert wurde, und ich dachte: „Was ist denn das für ein Milchbubi? Der sieht ja so aus, als hätte ihn seine Mama zum ersten Mal alleine ins Kino gelassen …“ Später musste ich zu meiner Schande entdecken, dass es Leonardo di Caprio war … (Die Film- und di-Caprio-Fans mögen mir verzeihen,)
Das Ambiente im Kino war beeindruckend – nur „gut“ angezogene Menschen, es wirkte alles sehr feudal. Der richtige Rahmen für die Europapremiere des Films TITANIC.
Eine Militärkapelle unterhielt das Publikum, bis gegen acht Uhr abends einige der Schauspieler aus dem Film ihre Plätze einnahmen, und zu den Klängen der britischen Nationalhymne betrat dann Prinz Charles den Saal.
Leute, Ihr könnt sagen, was Ihr wollt, aber ein Prinz ist doch was anderes als ein Bundeskanzler!
Nachdem also alle ca. 1500 Zuschauer auf ihren Plätzen saßen (Leonardo di Caprio hatte die Ehre, neben Prinz Charles sitzen zu dürfen), hielt u. a. James Cameron eine kleine Ansprache und dann gab es das „Hauptmenü“, den Film TITANIC.
Drei Stunden uns zwanzig Minuten später war alles vorbei, aber es war wirklich ein Erlebnis, allein schon wegen dem Ambiente. Und abends in der Hotelbar habe ich mein Glas auf den 1. Offizier der Titanic gehoben, denn ohne mein Interesse an ihm wäre ich niemals dort gewesen.