Joseph Groves Boxhall – biographische Informationen

 von Susanne Störmer, © 2017

Am 23. März 1884 wurde Joseph Groves Boxhall in London, England, geboren. Sein Vater, Joseph Boxhall, war ein angesehener Kapitän der Wilson Line in Hull. Da auch der Großvater und ein Onkel eine Verbindung zur Seefahrt hatten, lag es nahe, dass Boxhall ebenfalls zur See fuhr.

Im Alter von 15 Jahren begann er seine Ausbildung unter Segeln. Im September 1907 legte Boxhall die Prüfung zum Extra Master erfolgreich ab und hatte damit die höchste Laufbahnbefähigung eines nautischen Offiziers erreicht. Im November 1907 musterte er dann bei der White Star Line an, wo er als „Neuling“ ganz unten anfangen musste.

Im März 1912 wurde er 4. Offizier auf der Titanic. Damit war er einer von vier dienstjüngeren Offizieren an Bord. Die dienstjüngeren Offiziere waren 3., 4., 5. und 6. Offizier. Bei der White Star Line gingen die dienstjüngeren Offiziere Wache um Wache, d. h. auf vier Stunden Wache folgten vier Stunden Freiwache. Durch die sogenannten „Hundewachen“ am Nachmittag, die jeweils nur zwei Stunden dauerten, wechselten die täglichen Wachzeiten der dienstjüngeren Offiziere. Außerdem wechselten die dienstjüngeren Offiziere außer nach der ersten Hundewache immer bei acht Glasen (4, 8, 12, 16, 20 und 0 Uhr) und damit zu anderen Zeiten als die dienstälteren Offiziere.

Am Unglückstag hatte Boxhall Wache von 0-4, 8-12, 16-18 und 20-24 Uhr. Damit war er zum Zeitpunkt der Kollision auf Wache. Zu seinem Aufenthaltsort zum Zeitpunkt der Kollision machte Boxhall unterschiedliche Angaben.

Boxhall ermittelte die letzte Position der Titanic, die für die Notrufe verwendet wurde – die berühmten Koordinaten 41° 46‘ Nord, 50° 14‘ West.

Es war Boxhall, der sich intensiv mit dem Schiff befasste, dessen Lichter in der Nähe der sinkenden Titanic zu sehen waren. Da das Schiff nicht auf die Notrufe per Funk reagierte, begann Boxhall mit dem Abfeuern von Notraketen, um so optisch auf die Notlage der Titanic aufmerksam zu machen. Außerdem versuchte Boxhall, das andere Schiff mit der Morselampe zu erreichen und ihm mitzuteilen, dass die Titanic sofortige Hilfe benötigte. Nachdem Boxhall erst den Eindruck hatte, dass das andere Schiff näher kommen würde, begann es dann, sich zu entfernen – es ignorierte also sämtliche Notsignale der Titanic. Bis heute ist die Identität des Schiffes ungeklärt.

Boxhall übernahm das Kommando im Rettungsboot Nr. 2 und feuerte auch von dem Boot aus weitere Lichtsignale. Die Carpathia steuerte nach diesen Lichtsignalen, und Boxhalls Boot war das erste, das von der Carpathia an Bord genommen wurde.

In den nachfolgenden Untersuchungsausschüssen sagte Boxhall als Zeuge aus. Danach fuhr er weiter zur See und blieb bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1940 Offizier. Im 1. Weltkrieg diente er als Reserveoffizier der Royal Navy.

Boxhall war einer der Berater für den Film „A Night to remember“, sprach allerdings nicht gerne über die Titanic. Am 25. April 1967 starb Boxhall. Seine Asche wurde entsprechend seinen Wünschen auf der von ihm errechneten letzten Position der Titanic verstreut. – Die Entdeckung des Wracks der Titanic zeigte allerdings, dass die von Boxhall 1912 errechnete Position falsch war.