Wrack der Carpathia gefunden

von Susanne Störmer, © 1999

 

Der Navigator Nr. 1, 2. Jahrgang (Juni 1998) enthielt als 2. Teil der Serie „Geschichte(n) der Titanic“ die Rettungsaktion der Carpathia sowie einige weitere Details über das Schiff. Der Artikel schloss mit den Worten: Die genaue Lage des Wracks der Carpathia ist übrigens bis heute unbekannt – es hat sich noch niemand die Mühe gemacht, danach zu suchen.
Etwas mehr als ein Jahr später war jedoch diese Feststellung überholt, denn das Wrack der Carpathia wurde gefunden. Das Schiff steht aufrecht auf dem Meeresgrund und ist nicht auseinander gebrochen – mehr ist über den Zustand des Cunard-Dampfers nicht bekannt, da schlechtes Wetter die Expedition zur Umkehr gezwungen hat. Im Frühjahr 2000 sollen das Wrack genauer untersucht und Filmsaufnahmen gemacht werden. Mit etwas Chance werden auch Bilder von der Carpathia im deutschen Fernsehen zu sehen sein.

Finanziert wird diese Expedition von der Firma NUMA, die Clive Cussler gehört. Clive Cussler ist in Titanic-Kreisen durch sein Science-Fiction-Buch „Hebt die Titanic“ („Raise the Titanic„), das auch verfilmt wurde, bekannt geworden.
An ein Heben der Carpathia ist offensichtlich noch nicht gedacht, aber dafür müsste man wohl auch erstmal wissen, in welchem Zustand sich das Wrack befindet. Eventuell soll jedoch versucht werden, ein einziges Teil zu heben: Die Erinnerungsplakette an die Rettungsaktion nach dem Untergang der Titanic. Diese Plakette soll dann mit dem Porträt von Kapitän Roston in der Hall of Fame in den USA vereinigt werden.

Ich persönlich träume jedoch davon, dass die Carpathia in einem Stück gehoben, restauriert und dann in Liverpool oder Newcastle-upon-Tyne als Museum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Doch wahrscheinlich werden die Torpedotreffer von 1918 dafür gesorgt haben, dass dieser Traum ein Luftschloss bleibt.

Übrigens hat die Expedition im selben Seegebiet ein weiteres, bisher nicht identifiziertes Wrack entdeckt, das eventuell ein deutsches Schiff gewesen sein könnte. Vermutlich war es ein kombiniertes Fracht- und Passagierschiff, da viele Säcke, aber auch Unmengen an Geschirr entdeckt wurden. Einer der Teller – Hutschenreuther Porzellan – trägt verschnörkelte Insignien, die durchaus HAL heißen und für „Hamburg-Amerika-Linie“ stehen könnten. Das Geschirr stammt vermutlich aus der Zeit zwischen 1925 und 1939. Die Identifizierung ist inzwischen in Arbeit.

Und was man 2026 dazu im Netz findet

von Susanne Störmer, © 2026

Das 1999 entdeckte Wrack wurde als Isis von der Hamburg-Amerika-Linie identifiziert, die am 8. November 1936 in einem Orkan gesunken ist.Sie befindet sich rund 160 Seemeilen von Land’s End entfernt.

Die richtige Carpathia wurde im Jahr 2000 entdeckt. Sie soll lt. NUMA etwa 100 Seemeilen westlich von Fastnet Rock in einer Tiefe von 150m aufrecht auf dem Meeresgrund stehen.

1999 verließ man sich bei der Suche nach der Carpathia britische Aufzeichnungen, die allerdings kriegsbedingt oft ungenau waren. Und als man dann dort ein Wrack gefunden hatte, konnte man es wegen aufziehendem schlechten Wetter nicht genau untersuchen. Man war sich aber sicher, die Carpathia gefunden zu haben und behauptete es einfach.
Im Jahr 2000 hat man sich dann mit Hilfe der Kriegstagebücher von U 55 auf die Suche nach dem Wrack gemacht – die Aufzeichnungen des deutschen U-Boots machten klar, dass die britischen Angaben falsch sein müssen. Man hatte 1999 die Isis gefunden, und die Isis ist an der Stelle wohl auch das einzige Wrack, das auf einem Sonarbild einem Frachtschiff aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ähnelt. Die Carpathia fand man dann erst im Jahr 2000. Mittlerweile gehört das Wrack Premier Exhibitions und die haben rund 100 Gegenstände gehoben und auf Auktionen verkauft, so dass sich diese Dinge nun im Privatbesitz verstreut befinden.