Faszination Transatlantik
Der Reiz einer Fahrt über den großen Teich
von Susanne Störmer, © 2015
„Transatlantik“, „Übersee“ – zwei Begriffe, die an eine vergangene Zeit erinnern, als Schiffe die einzige Verbindung über das Meer waren. Wer zum Beispiel in die USA wollte, sprach davon, nach Amerika zu reisen – und die Überfahrt dauerte mehr als die paar Stunden Transatlantikflug von heute. Immerhin gelang es den Reedereien, durch den harten Konkurrenzkampf die Passagezeit in der Endphase der transatlantischen Passagierschifffahrt auf unter vier Tage (ab England) zu drücken. Doch der Beginn des Jetzeitalters war das Ende der Transatlantikliner – heute ist es nur noch die Queen Mary 2 der Cunard Line, die zwischen Mai und Dezember einen regelmäßigen Transatlantikdienst anbietet. Die Überfahrt dauert nun wieder eine Woche ab Southampton (und neun Tage ab Hamburg), doch es sind nicht nur Vergnügungsreisende an Bord, die einfach mal Transatlantik fahren wollen, sondern auch Reisende, die statt Flugzeug das Schiff benutzen – sei es, dass sie Flugangst haben, sei es, dass sie einfach keine Einschränkungen beim Gepäck haben möchten.
Aber warum gibt es Vergnügungsreisende, die Transatlantik fahren? Sechs Tage lang sieht man nichts als Wasser, und wer sich etwas näher mit Seekarten befasst, stellt schnell fest, dass man besonders zur Mitte der Fahrt hin tausende von Kilometern von jedem Land entfernt ist. Und da das Schiff meistens ganz alleine im sichtbaren Horizont ist, kann sich bei ängstlichen Gemütern dann schon mal eine Unruhe breit machen, wenn bewusst wird, dass man komplett auf das Schiff und seine Besatzung angewiesen ist.
Transatlantik bedeutet früher wie heute, dass man für die Dauer der Überfahrt auf dem Schiff quasi eingeschlossen ist. Vermutlich hat sich das Publikum im Vergleich zu früher geändert – das Durchschnittsalter heute an Bord dürfte höher sein als früher, als eben doch mehr Geschäftsreisende mit dem Schiff unterwegs waren oder vor dem Ende der unbegrenzten Einwanderung in die USA auch viele junge Menschen die Transatlantikroute nutzten, um „in Amerika“ ein neues Leben zu beginnen.
An Transatlantik fasziniert heute vermutlich immer noch die Geschichte, die mit diesem Begriff verbunden wird – und die Geschichte wurde von Schiffen geschrieben. Da liegt der Wunsch vielleicht nahe, jedenfalls ein Mal Transatlantik mit dem Schiff zu fahren. Es gibt heute ein umfangreiches Bordprogramm, um der Langenweile entgegen zu wirken. Doch es ist auch faszinierend, einfach nur das Meer zu beobachten, das im Spiel der Wellen und des Lichtes jede Sekunde anders aussieht – und nirgendwo ist das Meer so blau wie draußen auf hoher See. Ebenfalls beeindruckend ist die uneingeschränkte Sicht in jede Himmelsrichtung so weit das Auge reicht – und davon abgesehen: Die Luft ist draußen auf dem Atlantik sehr sauber, da es kaum Staubquellen gibt und die nächsten Industriegebiete sich an Land befinden. Pollenflug gibt es auf dem Atlantik ebenfalls nicht.
Ein weiterer Reiz bei Transatlantik kann auch die Entschleunigung sein. Die Seetage haben ihre gleiche Struktur, und wer will, kann sogar komplett ohne Termine in den Tag hinein leben. – Eine ganz besondere Form der Transatlantikfahrt ist es, diese Tour als Passagier auf einem Frachtschiff zu machen. Das kommt der ursprünglichen Form der Passage, als die Salon-Passagiere sich entweder an Deck oder im Salon, der als Speisesaal und Aufenthaltsraum diente, aufhielten, deutlich näher. Eine Erfahrung, wie das Reisen im Zwischendeck früher gewesen sein mag, ist heute jedoch nicht mehr außerhalb von „erlebter-Geschichte-Programmen“ möglich.
Wenn man sich entschlossen hat, Transatlantik zu fahren, stellt sich die Frage, in welche Richtung man fahren sollte. Wir Europäer denken traditionell von Ost nach West – und ja, ein Einlaufen nach New York sollte man durchaus mal mitgemacht haben. Wobei grundsätzlich jeder Landfall nach mehreren Tagen nichts als Meer um einen herum schon etwas Besonderes ist.
Allerdings hat die West–Ost–Richtung auch ihren Charme. Bucht man Transatlantik mit der Queen Mary 2, dann ist der Flug nach New York bereits enthalten, und dann fährt man mit dem Schiff von New York nach Europa (Southampton oder Hamburg). Die West–Ost–Richtung hat zwei Vorteile:
1. Der Seeweg nach Osten liegt südlicher als der Seeweg nach Westen. Deswegen ist die Chance auf besseres/wärmeres Wetter höher auf dem Weg von West nach Ost.
2. Wenn man in Hamburg von Bord geht und ohne Flugreise zu seinem Heimatort zurückkehrt, hat man keine Gepäckbeschränkungen.
Und die Zeitumstellung auf dem Weg von Westen nach Osten wurde auf der Queen Mary 2 mittlerweile auch elegant gelöst: Auf dem Atlantik erfolgt das Vorstellen der Uhr jeweils mittags (von 12 auf 13 Uhr), so dass die Nachtruhe in ihrer Länge unverändert bleibt.
Und wer doch lieber ursprünglicher mit einem Frachtschiff reisen möchte und so Konventionen an Bord von Passagierschiffen entgehen, der wird bei einer auf Frachtschiffreisen spezialisierten Agentur fündig. Eine solche Agentur ist z. B. Kapitän Zylmann, der unter der Webadresse www.zylmann.de viele Reisen im Angebot hat.