Lightoller, Charles Herbert

30.03.1874 – 08.12.1952

2. Offizier der Titanic und noch viel mehr

Die Biographie von Lightoller in der Fassung von 1984, geschrieben von Patrick Stenson, war mein drittes englisches Buch, das ich mir wegen der Titanic gekauft habe, und es war mir eine große Freude, Patrick Stenson 1995 auf der Convention der British Titanic Society in Southampton persönlich kennenzulernen. Wir haben lange an der Bar des Hilton Hotels miteinander gesprochen.

Lightoller als ranghöchster überlebender Offizier war bei den nachfolgenden Untersuchungsausschüssen zur Titanic ein Schlüsselzeuge und ist deswegen als Quelle zur Geschichte der Titanic und zur Seefahrt seiner Zeit unvermeidlich. Allerdings war Lightoller auch ein begnadeter Erzähler und bekannt dafür, auch mal ein Garn zu spinnen (Seemannsgarn von sich zu geben), deswegen sind seine Angaben nicht unumstritten.

Seine Enkelin, Louise Patten, scheint ihm in der Hinsicht nachzukommen, denn sie hat zwei Romane veröffentlicht – „Bad Money“ und „Good as Gold“. In „Good as Gold“ verarbeitet sie zwei Erlebnisse ihres Großvaters (die Titanic und die Evakuierung des britischen Expeditionskorps 1940 aus Dünkirchen) und beruft sich insbesondere bei der Titanic auf ihre Großmutter, Lightollers Ehefrau, die über exklusives Wissen zur Titanic verfügt haben soll, das Lightoller (ihr Ehemann) nur mit ihr geteilt hat. Lightollers Ehefrau war auch für Walter Lord eine wichtige Quelle für sein Buch „A Night to Remember“ (deutsch: „Die letzte Nacht der Titanic„), selbst wenn sie nur aus zweiter Hand berichten konnte.

Für mich war Lightoller immer mal wieder ein Thema in Beiträgen für die Vereinszeitungen des Titanic-Verein Schweiz und dem Deutschen Titanic-Verein (Reihenfolge der Vereinsnennung in der Reihenfolge der Veröffentlungen). Letztendlich war er die erste Einzelperson der Titanic, über deren Leben ich ein ganzes Buch hatte.