Gründung eines Titanic-Vereins in Deutschland

Neu zusammengestellt auf Basis von Auszügen aus Beiträgen in der Vereinszeitschrift des Deutschen Titanic-Vereins von  Susanne Störmer, © 2026

 

Man sagt: Wenn zwei Engländer sich treffen, bilden sie eine Schlange. Wenn zwei Deutsche sich treffen, gründen sie einen Verein. Doch als sich 1994 zwei Deutsche bei der Convention der British Titanic Society erstmals trafen, war das noch lange kein Anlass für eine Vereinsgründung. Zwar drängten die britischen Freunde damals: „Gründet einen deutschen Titanic-Verein“, aber so schnell waren Nik Zöllner und ich nicht überzeugt. Wir wussten, wie exotisch Interesse an der Titanic in Deutschland war – zwar war das Wrack bereits gefunden, doch „der Film“ hatte noch nicht mal Drehbeginn gehabt. Damals schätzten wir das Mitgliederpotenzial für einen Titanic-Verein in Deutschland auf vielleicht 50 Personen, von denen wir etwa zehn bereits kannten. Die British Titanic Society bot uns ihre Unterstützung an, weitere Deutsche zu kontaktieren, doch vorerst lehnten wir ab. Was könnte ein Titanic-Verein in Deutschland den Mitgliedern bieten, was nicht schon andere Vereine im Angebot hatten?

Das Umdenken setzte Anfang 1997 ein – ich rief bei Nik Zöllner an und schlug ihm vor, einen Titanic-Verein in Deutschland zu gründen. Nach etwas Bedenkzeit stimmte Nik zu. Wir wollten für Titanic-Interessierte in Deutschland eine Anlaufstelle schaffen, wo man sich gemeinsam zum Thema austauschen konnte. Natürlich sollte der Verein auch Titanic-Interessierten aus anderen Ländern offen stehen, wobei die Vereinssprache ausschließlich deutsch sein sollte.

1997

Helmut Kohl war Bundeskanzler, Johannes Paul II Papst und das World Trade Center stand noch. Man durfte noch Getränke mit von draußen in den Sicherheitsbereich des Flughafens nehmen, das Flaggschiff der Cunard Line war die Queen Elizabeth 2 und das modernste Betriebssystem aus dem Hause Microsoft war Windows 95. Es gab bereits Mobiltelefone, die im D-Netz genutzt werden konnten, doch sie dienten lediglich zum Telefonieren und wurden überwiegend noch geschäftlich verwendet. Für die Privatleute gab es Telefonkarten, die damals Sammelobjekte waren. Smartphones waren nur eine Vision, doch immerhin gab es bereits SMS.

Gründung eines Titanic-Vereins in Deutschland

Von Anfang an war klar, dass es im Titanic-Verein eine Vereinszeitung geben sollte, und diese Vereinszeitung würde dann Wissen und Informationen zum Thema Titanic vermitteln – mehr und tiefergehend, als man damals in deutscher Sprache zum Thema erhalten konnte. Wobei wie in anderen Titanic-Vereinen auch andere Schiffe und Schifffahrt allgemein mit im Fokus stehen sollten. Eine starke Inspiration erhielten wir dabei von der British Titanic Society, damals zweifellos der führende Titanic-Verein in Europa. Jährlich im April in Southampton kamen Titanic-Interessierte aus aller Welt zusammen, so dass man dort z. B. John Eaton und Charles Haas von der Titanic International Society (USA) genauso treffen konnte wie Ed Coghlan von der Irish Titanic Historical Society. Ebenfalls in Southampton war Robert Shotton aus Frankreich, der 1998 initiativ an der Gründung der L’Association Française du Titanic beteiligt war. Durch den Austausch untereinander hatten alle die Gelegenheit, voneinander zu lernen – Nik und ich orientierten uns in einigen Punkten an bewährten Rezepten der British Titanic Society und in anderen Punkten an der Irish Titanic Historical Society, die uns von der Größe her vergleichbar mit „unserem“ Verein zu sein schien.

Als die Entscheidung für die Vereinsgründung gefallen war, begann die eigentliche Arbeit. Denn dass wir einen eingetragenen Verein, also einen e. V., wollten, war von Anfang an klar. Nur ein eingetragener Verein hat eigene Rechtsfähigkeit und kann damit als Verein Rechtsgeschäfte abschließen, also z. B. ein Bankkonto auf den Vereinsnamen eröffnen, und ausschließlich mit dem Vereinsvermögen (= das Vermögen, das unter dem Vereinsnamen geführt wird) haften. Das bedeutet unter anderem auch, dass der Verein nach erfolgter Eintragung im Vereinsregister eine eigene Steuernummer erhält und eigene Steuererklärungen beim zuständigen Finanzamt abgeben muss. – In den Wochen und Monaten vor der Gründungsversammlung lernten Nik und ich viel über das Vereinsrecht in Deutschland. Zum Beispiel benötigt jeder Verein eine Satzung, die mit der Eintragung im Vereinsregister beim zuständigen Amtsgericht hinterlegt wird. In der Satzung geregelt sind Name, Sitz und Zweck und Ziel des Vereins, Rechte und Pflichten der Mitglieder, die Zusammensetzung und Aufgaben des Vorstands, die Mitgliederversammlungen und die Auflösung des Vereins. Wie wir nach Gründungsversammlung und Eintragung ins Vereinsregister bei Erstkontaktaufnahme durch das Finanzamt erfahren haben, wird aus der Satzung auch die Gemeinnützigkeit eines Vereins abgeleitet. Dafür müssen bestimmte Punkte in der Satzung geregelt sein. So darf das Vereinsvermögen nur für satzungsgemäße Zwecke verwendet werden und bei Auflösung des Vereins oder Wegfall der Gemeinnützigkeit muss das Vereinsvermögen einer anderen gemeinnützigen Organisation, die bereits in der Satzung namentlich genannt werden muss, überlassen werden. – Nik Zöllner erkannte damals, dass wir als Titanic-Verein einen Beitrag zur Bildung leisten und damit eine Voraussetzung zur Anerkennung als gemeinnütziger Verein erfüllen. Das war bisher in der Satzung nicht eindeutig berücksichtigt worden. Also wurde unsere Satzung so angepasst, dass die Gemeinnützigkeit auch aus der Satzung erkennbar wurde, was unabdingbare Voraussetzung für die Anerkennung der Gemeinnützigkeit ist. Im Dezember 1997 erhielten wir den ersehnten Bescheid vom zuständigen Finanzamt, dass wir ein gemeinnütziger Verein sind. Und nicht mal einen Monat später erfasste eine Lawine die Titanic-Welt, die durch den Film „Titanic“ von James Cameron losgetreten worden war. Wir waren gerade rechtzeitig fertig geworden!

Namensfindungen

Jeder Verein benötigt einen Namen. Da der Name in der Satzung verankert ist, musste der Vereinsname bereits bei der Gründung feststehen. Nik Zöllner und ich machten uns viele Gedanken, überwiegend am Telefon zu Zeiten, als ein Ferngespräch von einer Stunde Dauer mit rund 20 DM zu Buche schlug. Namen wurden in den Raum gestellt und wieder verworfen … „Deutscher Titanic-Verein“, DTV, oder „Titanic-Verein Deutschland“, TVD, fielen durch das Raster, denn so ein „richtiger“ Verein waren wir ja nicht und würden es auch absehbar nie werden. Wir würden kein Vereinsheim haben, es würde keine Arbeitsdienste für Mitglieder geben, wir würden nicht zu irgendwelchen Wettkämpfen antreten und wir würden nicht nur an einem Ort aktiv sein. Irgendwann war der Name „Titanic Informations Center Deutschland“, kurz TIC, in der Welt und hielt stand. Bei der von uns avisierten Mitgliederzahl in Höhe von 50 und dem geringen öffentlichen Interesse am Thema Titanic in Deutschland war der sperrige Name aus unserer Sicht kein Problem. Entscheidend war jedoch, dass dieser Name unserer damaligen Meinung nach das beschrieb, was wir als Verein in erster Linie machen wollten: Über die Titanic informieren und so zur Bildung der Gemeinschaft beitragen.

Doch nicht nur der Verein selbst benötigte einen Namen, sondern auch die Vereinszeitung, die den Mitgliedern laut Satzung mindestens zwei Mal im Jahr zugestellt werden soll. Erneut ging es an die Namensfindung – es sollte ein maritimer Name sein, der jedoch nicht zu sehr auf die Titanic verweist, da wir in der Satzung verankert hatten, dass wir neben der Titanic auch über die Schifffahrt im Allgemeinen informieren wollten. Bis auf den Schweizer Verein mit seiner Titanic-Post hatten auch die anderen uns damals bekannten Vereine auf „Titanic“ im Namen ihrer Vereinszeitung verzichtet – die Briten hatten ihren Atlantic Daily Bulletin, die Iren ihr White Star Journal, Titanic International ihre Voyage und die Titanic Historical Society ihren Commutator.

Wir suchten also einen Namen mit Bezug zur Seefahrt, und dabei half die Musik, die ich damals hörte. Denn von der irischen Punk-Folk-Gruppe „The Pogues“ gibt es nicht nur den alternativen Weihnachtsklassiker „Fairytale of New York“, sondern auf der CD „Rum, Sodomy and the Lash“ auch den Song „Navigator“. Und die Refrainzeile „Navigator, Navigator, rise up and be strong, the morning is here and there’s work to be done“ spukte mir während der Namensfindung für die Vereinszeitung ständig im Kopf herum, so dass irgendwann mit „Der Navigator“ der Name für unsere Vereinszeitung gefunden war. Dass sich der Song eigentlich auf den Bau der Eisenbahnen in Großbritannien bezog, war da zweitrangig.

Laut Satzung hatten wir uns vorgenommen, mindestens zwei Ausgaben unserer Vereinszeitung im Jahr herauszugeben. Damit das im ersten Vereinsjahr bis zum 14. April 1998 überhaupt noch realistisch zu erreichen war, musste die erste Ausgabe der Vereinszeitung dann bereit zum Versand sein, wenn der Verein als gemeinnützig anerkannt war. Danach wollten wir anfangen, Mitglieder aufzunehmen, und die sollten dann direkt mit der ersten Ausgabe der Vereinszeitschrift beglückt werden.

Doch was bringt man thematisch in der ersten Ausgabe der Vereinszeitschrift? Das war damals ein durchaus relevantes Thema, denn die mit Spannung erwartete Premiere des Titanic-Films von James Cameron rückte immer näher. Kann man in so einer Situation allgemeine Titanic-Themen, die möglicherweise schon allen Mitgliedern bekannt sind, in einer Vereinszeitschrift bringen und darüber das anstehende Großereignis ignorieren? Doch über das Großereignis wurde auch in den Medien berichtet, was also konnte eine Vereinszeitung da bieten, was nicht auch an anderer Stelle schon zu finden war?

Und natürlich war es auch eine Zeitfrage, denn es musste ja alles erst entwickelt werden, nicht nur der Inhalt, sondern auch das Layout. Ich verwendete damals Microsoft Works, das jedoch für die Aufgabe „Herausgabe einer Vereinszeitung“ nicht geeignet war. Im Navigator Nr. 3, 2. Jahrgang (Dezember 1998), der die fünfte Ausgabe darstellte, schrieb ich zum kleinen Jubiläum u. a. über diese Problematik: „Die erste Idee (Microsoft Word) wurde verworfen, da das Programm zu teuer war. Die günstigste Lösung war Microsoft Publisher in Verbindung mit einem Update meines Betriebssystems von Windows 3.1 auf Windows 95. In meinen Augen stellte sich diese günstige Lösung später als die beste Lösung heraus, da Publisher leicht zu erlernen und zudem völlig anspruchslos ist, was das Einlesen von digital gelieferten Beiträgen angeht. Publisher schluckt alles, Works wie Word, e-mail wie txt-Dateien.“ (Navigator Nr. 3. 2. Jahrgang, S. 46)

Nach der Deckblattgestaltung, deren Abstimmung zwischen Elmshorn und Füssen per Fax erfolgte, wurde eine ISSN bei der Deutschen Bibliothek beantragt und auch zugeteilt, womit „Der Navigator“ eine offiziell registrierte Zeitschrift wurde. Von jeder Ausgabe müssen zwei Exemplare an die Deutsche Bibliothek abgegeben werden, die sogenannten Pflichtexemplare, die dann wiederum in Frankfurt am Main und in Leipzig bei der Deutschen Bibliothek archiviert werden.

Als eine Herausforderung erwies sich auch der Druck der Vereinszeitung. Für einen echten Druck war die Auflage viel zu gering; für eine Digitalkopie waren noch nicht alle Voraussetzungen gegeben (die kam dann aber der zweiten Ausgabe zum Einsatz), also wurde ein hochwertiger Ausdruck erstellt, der dann kopiert wurde – 20 oder 30 Mal. Die Kopien wurden dann von mir per Hand mit einem Bürotacker zusammengeheftet und den Gründungsmitgliedern zugesandt. Die übrigen Exemplare gingen an den Kassenwart Stefan Kort, der dann allen weiteren Mitgliedern, die dem Verein durch Zahlung des Mitgliedsbeitrags beigetreten waren, die Ausgabe zusenden sollte. Es gab ein paar weitere Interessenten, die dem Verein dann auch zügig beitraten. Doch es gab, als ich Ende November/Anfang Dezember 1997 den ersten Navigator zusammenstellte, keinerlei Indikationen, dass eine Mitgliederzahl von 50 absehbar überschritten werden würde. Doch dann kam der 8. Januar 1998 …

Das Exemplar, das der Kassenwart Stefan Kort im Dezember 1997 erhielt, wurde im Januar, Februar und März 1998 wohl das am häufigsten kopierte Exemplar, da mit der Deutschlandpremiere des Films die Titanic in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit geriet und gefühlt ganz Deutschland Interesse an einer Mitgliedschaft im Titanic-Verein in Deutschland hatte, der sich damals Titanic Informations Center Deutschland e. V. nannte (zur Namensfindung siehe Navigator Nr. 98). Denn jedes Neumitglied erhielt die bis zum Beitritt in dem Vereinsjahr schon erschienenen Ausgaben der Vereinszeitung, und da wir mit Beitritten förmlich überrannt wurden, musste der damalige Kassenwart die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift sehr oft kopieren. – Damals wurde ein Beitritt in den Verein quasi rückdatiert, so dass für alle Mitglieder die Beitragszahlung spätestens im zweiten Jahr der Mitgliedschaft am 15. April fällig wurde. Dieses Vorgehen verwirrte in den folgenden Jahren insbesondere Mitglieder, die am Anfang eines Kalenderjahres dem Verein beigetreten waren und die dann die bereits erschienenen Ausgaben mit dem Beitritt erhielten und später im Februar oder März dann noch ein neues Heft, ehe schon wieder ein Beitrag fällig wurde. Für diese Mitglieder wirkte es häufig so, dass sie für einen vollen Beitrag drei alte und ein neues Heft erhielten, was nicht ganz das war, was sie sich von einer Mitgliedschaft versprochen hatten. Außerdem war dieses Vorgehen auch für den Verein äußerst unpraktisch, da für die Festlegung der Auflagenhöhe die Anzahl der unterjährigen Neubeitritte prognostiziert werden musste und dadurch auch Vereinsvermögen gebunden wurde. Inzwischen gehört dieses Vorgehen der Geschichte an und die Fälligkeit des Mitgliedsbeitrags richtet sich nach dem Beitrittsdatum. Unverändert ist, dass es ein Jahresbeitrag ist. Für den Verein ist dadurch die Auflagenhöhe einer Ausgabe deutlich leichter festzulegen, wodurch auch weniger Vereinsvermögen in überzählig produzierte Ausgaben gebunden wird.

Die erste Ausgabe vom Dezember 1997 war übrigens nicht nur vom Aufbau her eine Ausnahme, sondern auch von der Herstellungsweise. Das Tackern hatte noch etwas länger Bestand, aber ab der 2. Ausgabe wurde die digitale Kopie genutzt, d. h. die Datei mit der Vereinszeitschrift wurde dem Copyshop übermittelt, der damals die ersten Hefte herstellte. Die Ausdrucke wurden dann aus Kostengründen bei mir in der Wohnung geheftet, oft mit Unterstützung von Vereinsmitgliedern aus der Region, die dann zum „Tacker-Treff“ kamen. Ich möchte nicht wissen, wie sich das für die Nachbarn angehört hat, wenn mehr als 200 Ausgaben mit jeweils drei Heftklammern zusammenheftet wurden, also über 600 Mal der Profitacker die Heftklammer durch die Seiten jagte … Der Profi-Tacker wurde extra beschafft, weil ein normaler Bürotacker die Anzahl an Seiten gar nicht durchdringen konnte.

Anfänge im Schatten des Cameron-Films

Für die erste Ausgabe der Vereinszeitschrift „Der Navigator“ entschied ich mich letztendlich, den kommenden Titanic-Film als Schwerpunktthema zu setzen. Den Film zu ignorieren wäre unverzeihlich gewesen – ich hatte definitiv keine Vorstellung von dem, was durch den Film ausgelöst auf den Verein zukommen würde.

Und so waren in der ersten Ausgabe die Vorstellungen der damaligen Vorstandsmitglieder (Susanne Störmer, Vorstand Nord, Nikolaus Zöllner, Vorstand Süd, Stefan Kort, Kassenwart), die Protokolle der Gründungsversammlung und der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die für die Satzungsänderung für die Anerkennung als gemeinnütziger Verein erforderlich geworden war, die Gründungsgeschichte des Vereins, das Konzept des Navigators, die erste Pinwand, Rezensionen (CD-ROM „Titanic – eine interaktive Reise“, Video „Titanic – Dem Mythos auf der Spur“, CD-ROM „Titanic – Wettlauf gegen die Zeit“) und der Mitgliedsantrag für Freunde enthalten. Das größte Thema im Heft jedoch war das anstehende titanische Großereignis als „Spezial“: Camerons Titanic, der damals teuerste Film aller Zeiten, den manche deutschen Medien schon einen ähnlich spektakulären Untergang voraussagten wie der Titanic 1912. Neben einem Bericht von der Europa-Premiere des Films in London, gab es auch ein Interview mit Alex Humphrey, einem Statisten, den ich per E-Mail interviewen konnte. Der Kontakt entstand, wenn ich mich richtig erinnere, über eine Mailingliste.

Gleichzeitig war mit dem Erscheinungstermin „Dezember 1997“ der ersten Ausgabe der Vereinszeitung auch klar, dass es noch eine zweite Ausgabe im ersten Vereinsjahr geben würde (Erscheinungstermin März 1998) und wir damit die Vorgabe der Satzung, die zwei Ausgaben pro Jahr festgelegt hat, erfüllen werden würden. Die zweite Ausgabe hatte dann auch einen etwas breiteren Ansatz, doch so völlig am Film vorbei kam auch diese Ausgabe nicht. Der Film war schlicht und ergreifend ein monumentales Ereignis! Das Schiff erstmals in Farbe auf einer großen Leinwand zu sehen, dazu das Klangerlebnis durch Dolby-Surround, die Filmmusik von James Horner … Und auch die erzählte Geschichte hatte Charme! Bis heute bin ich der Meinung, dass „Titanic“ von James Cameron eigentlich nur auf der großen Kinoleinwand seine volle Wirkung erzielt!

Am 8. Januar 1998 hatte dieser Film in Deutschland Premiere. Plötzlich stand das Thema Titanic im Fokus. Da ich damals die einzige deutsche Autorin war, die ein Buch zum Thema auf dem Markt hatte, war ich bei den Medien gefragt und konnte so auch gleich Werbung für den Verein machen. Erstmals fand der Verein seine Erwähnung im „Stern“ vom 23.12.1997, dessen Titelgeschichte die Titanic als Thema hatte. Auch Nik Zöllner hatte seinen Anteil an Medienkontakten im Januar 1998, und so erreichte der Verein eine von uns niemals erwartete Bekanntheit und Mitgliederzahl: Am Ende des ersten Vereinsjahres hatten wir 164 zahlende Mitglieder – Tendenz weiter steigend!

Auch wenn das alles nach einer Erfolgsstory klingt: Es war eine echte Bewährungsprobe für den Verein, der sich gerade erst entwickelte, wo sich Strukturen erst noch herausbilden mussten und Abläufe sich etablieren – von 9 auf 164 in vier Monaten ist eine Hausnummer, die besonders den damaligen Kassenwart Stefan Kort gefordert hat, da er die Mitgliedsbeiträge einziehen, die Zahlungseingänge überwachen und die Mitgliederdatei aktuell halten musste. Es waren durchschnittlich rund 40 Beitritte pro Monat zu bewältigen – und das in einem Ehrenamt. Der Verein hat diese Bewährungsprobe auch dank Stefan Kort gemeistert!
Gleichzeitig wurden Nik Zöllner und ich von Anfragen geflutet. Allgemeine Fragen zur Titanic wurden ebenso gestellt wie die Frage nach der Passagier- und Besatzungsliste (gab es damals noch nicht verifiziert) und einer kompletten Bücher- und/oder Video-Liste (gab es ebenfalls noch nicht). Dafür, dass das Thema „Titanic“ zu unseren Lebzeiten in Deutschland bis Dezember 1997 ein Schattendasein geführt hatte, war das eine sehr drastische Wende und alles in allem ein sehr arbeitsreicher Start für unseren Verein. Denn auch damals schon wurde sämtliche Vereinsarbeit ehrenamtlich geleistet – doch auch damals schon war die Erwartungshaltung von einigen Mitmenschen außerhalb des Vereins, dass ein Titanic Informations Center Deutschland e. V. Servicezeiten rund um die Uhr anbietet und maximal innerhalb von 24 Stunden antwortet.

Bereits im zweiten Vereinsjahr, das am 15. April 1998 begann, trat eine allmähliche Normalisierung ein – und letztendlich profitierte der Verein von der unerwarteten medialen Aufmerksamkeit durch den Film, selbst wenn es für die Vereinsführung anstrengende Monate waren. Zum Glück fanden sich auch schnell engagierte Mitglieder, die bei der Vereinsarbeit unterstützten. Gemeinsam schufen wir eine solide Basis, die den Verein tragen konnte.