
Foto „Nase an Nase in Montevideo“: © Susanne Störmer 2020
Seefahrt tut not!
Zur Titanic bin ich gekommen, weil mich Schiffe und Seefahrt interessieren und zwar explizit die Handelsschifffahrt auf großer Fahrt. Und da gibt es eben nicht nur die Titanic und einen schottischen Offizier, dessen Biographie ich geschrieben habe, sondern da gibt es noch so viel mehr …
Die übliche Geschichte der Seefahrt konzentriert sich am Ende auf kriegerische Auseinandersetzungen und damit auf Kriegsschiffe und Seeschlachten. So ist zum Beispiel ein Kriegsschiff auch als Wrack noch als Seemannsgrab geschützt und darf nicht einfach „geplündert“ werden, zumal es auch als Eigentum des Landes gilt, unter dessen Flagge es gekämpft hat. Bei Handelsschiffen ist es anders. Da scheint das staatliche Interesse mit dem Untergang und vielleicht nach der Schadensregulierung durch Versicherungen zu erlöschen, auch wenn ein Handelsschiff ebenfalls die Flagge eines Staates trägt. Mich jedoch hat immer schon die Handelsschifffahrt interessiert – der friedliche Austausch mit anderen Ländern, der Handel mit Gütern (ich bringe Dir was und Du gibst mir was und wir haben dann beide mehr als wir alleine hätten) und letztendlich auch das friedliche Reisen, die Möglichkeit, die Welt zu sehen, ohne dass von vorne herein klar ist, dass man kämpfen muss und sein Leben verlieren kann.
Mich fasziniert auch der Beitrag, den die Post geleistet hat, um die zivile Schifffahrt voranzubringen – ganz einfach aus der Notwendigkeit heraus, dass die Post zuverlässig befördert wird. Denn die Post war früher die einzige Möglichkeit, mit Menschen auch über größere Distanzen in Kontakt zu bleiben und natürlich auch Handel zu treiben. Früher, als sich alles noch in der Realität abspielte und nichts im virtuellen Raum, brauchte man einen zuverlässigen Postdienst, und sobald es aufs Meer ging, waren Schiffe erforderlich, an die die Postgesellschaft höchste Ansprüche hatte, da die transportierte Post sehr wichtig war (und nicht nur Werbung). Postbeförderung war Teil der Infrastruktur eines Staates und die Verträge zur Beförderung der Post waren für die Reedereien so ein wichtiger Faktor, dass die Postgesellschaften wiederum Vorgaben machen konnten, auf welcher Art von Schiff sie ihre Post befördert wissen wollte – schnell und zuverlässig mussten die Schiffe sein, ihren Fahrplan einhalten und eine Besatzung haben, die nicht klaut; es sollte keine Post verloren gehen! Für Passagiere war „Postdampfer“ damit damals ein Gütesiegel, weil man wusste: Wem die Post vertraut und die Post anvertraut, dem kann man selbst auch sein Leben anvertrauen.
Hier finden sich die Texte, die mit Schiffen zu tun haben – aber nicht mit Murdoch oder der Titanic.